Mokka kann in der modernen Kaffeewelt vieles bezeichnen, ursprünglich war es aber eine Stadt im Jemen. Lesen Sie hier warum heute fast jeder „Mokka“ kennt.

Das Wort Mokka kennt heute eigentlich jeder oder man hat es zumindest schon einmal gehört. Aber was genau ist Mokka eigentlich? Eine Cappuccino-Variante mit Schokolade? Eine bestimmte Kaffeebohnensorte? Eine traditionelle Zubereitungsmethode aus dem türkischen bzw. arabischen Raum? Tatsächlich ist das alles korrekt, denn kaum ein Begriff wird so vielfältig verwendet. Und nicht nur das, neben der Bedeutungsvielfalt gibt es auch noch zahlreiche Schreibweisen. Egal ob Mokka, Mokha oder Mocha, alle haben sie die gleiche etymologische Herkunft – die Stadt Mokka. Die liegt im Südwesten des Jemen, direkt am Roten Meer, nur 12 Meter über dem Meeresspiegel und blickt auf eine lange und vor allem wechselhafte Geschichte zurück. Die Ursprünge der Stadt liegen vermutlich in der antiken Hafenstadt Muza, die an der gleichen Stelle oder zumindest in der Nähe gelegen haben muss. Sie war Teil der damals wichtigsten Welthandelsrouten, der sogenannten Seidenstraße.

Der Aufstieg

Auch Mokka sollte ab dem späten 15. Jahrhundert eine entscheidende Rolle im Welthandel einnehmen, vor allem was den Kaffee anging. Die Kaffeebohnen wuchsen zunächst wild in Athiopien, wurden später aber auch im Jemen selbst kultiviert und lange Zeit exklusiv über Mokka in die ganze, damals bekannte Welt, verschifft. Der Bedarf war schon früh da, denn die Lust auf Kaffeegenuss hat sich damals wie ein Virus vom arabischen Raum in gesamt Europa verbreitet. Im heutigen Istanbul wurde bereits Mitte des 16. Jahrhunderts das erste Kaffeehaus eröffnet und nur etwa 100 Jahre später folgten Kaffeehäuser in London, Paris, Amsterdam oder auch Hamburg. In der Zeit hat man in Mokka die Nachfrage nur zu gerne bedient, dabei allerdings auch darauf geachtet, dass das Kaffeemonopol erhalten bleibt. Daher wurden die Bohnen vor der Ausfuhr in der Regel mit kochendem Wasser übergossen, so dass diese nicht mehr keimen konnten.

In der Blütezeit gab es sogar ein Gesetz, das jedem passierenden Schiff vorschrieb, im Hafen von Mokka anzulegen. Wer vom Arabischen ins Rote Meer oder umgekehrt unterwegs war, musste hier die fälligen Steuern auf die mitgeführten Waren entrichten. In der Zeit vom 15. bis zum frühen 18. Jahrhundert war Mokka also nicht nur der wichtigste Handelsplatz für Kaffee, es war auch eines der bedeutendsten Handelszentren in der gesamten Region. Für damalige Verhältnisse war Mokka mit bis zu 30.000 Einwohnern eine Metropole und es waren hier Händler aus aller Herren Länder anzutreffen. Briten, Holländer, Franzosen und Dänen unterhielten hier Lagerhäuser und eigene Fabriken, damit der Kaffeedurst in der Heimat gestillt werden konnte. Aber wie alles im Leben, war auch diese Erfolgsgeschichte von Mokka vergänglich. Die Europäer schafften es irgendwann doch die Kaffeepflanzen zu verbreiten und in ihren Kolonien zu kultivieren. Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam der Kaffee so unter anderem nach Indonesien, Surinam, Brasilien und in die Karibik. Hier waren die Bedingungen für den Kaffeeanbau kaum schlechter und das Monopol von Mokka war somit Geschichte. Der Abstieg der Hafenstadt hatte bereits begonnen.

Die Stadt heute

Das heutige Mokka (im arabischen Raum Al-Mukhá oder auch Al-Muchá) ist nahezu bedeutungslos und hat nur noch rund 10.000 Einwohner. Die alten Kaffeelager und Handelshäuser verfallen immer mehr und auch der Hafen scheint dem Untergang geweiht. Im Jahr 2013 hat der einstige Weltmarktführer Jemen knapp 20.000 Tonnen Kaffee exportiert. Was zunächst nach einer gewaltigen Menge klingt, wird bei einem Blick auf die Konkurrenten aus anderen Erdteilen relativiert. Brasilien beispielsweise hat im gleichen Zeitraum fast 3.000.000 Tonnen geerntet und selbst Staaten wie Burundi, Madagaskar oder El Salvador liegen deutlich vor dem Jemen. Heutzutage leben die Menschen in Mokka hauptsächlich von der Fischerei und dem marginal vorhandenen Tourismus. Und trotzdem ist die Stadt tagtäglich in aller Munde – im Straßencafé in Paris, genauso wie im Starbucks in New York City oder im Berliner Restaurant.